In der vorliegenden Masterarbeit wird der aktuelle Umsetzungsstand der ESRS im Bereich der Sozialberichterstattung börsennotierter Unternehmen im deutschsprachigen Raum untersucht. Ziel dieser Arbeit ist es, zu analysieren, in welchem Umfang und mit welcher Qualität die Unternehmen die sozialen Standards der ESRS, S1 bis S4, bereits anwenden und darüber berichten. Der erste Teil der Arbeit widmet sich dem rechtlichen Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung und beleuchtet die maßgeblichen gesetzlichen Entwicklungen sowie den aktuellen Umsetzungsplan, der von einer Vielzahl von regulatorischen Änderungen geprägt ist. Methodisch stützt sich die Arbeit auf eine umfassende Literaturrecherche, die den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion erfasst und eine Grundlage für die empirische Analyse bietet. Im empirischen Teil erfolgt eine Bewertung der Nachhaltigkeitsberichte von 60 Unternehmen aus den Indizes ATX-20, DAX-40 und EUROSTOXX-50 für das Geschäftsjahr 2024. Hierzu wird eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring durchgeführt, um die Berichte systematisch zu erfassen und auszuwerten. Ergänzend wird ein Scoring-Modell entwickelt, dass die Qualität der sozialen Berichterstattung messbar macht. Bewertet wird der Umfang der Nachhaltigkeitsberichterstattung, der Grad der Berichterstattung in Bezug auf die verwendeten ESRS S sowie die inhaltliche Qualität, die mithilfe gewichteter Kriterien je Sozialstandard beurteilt werden. Die Analyse erfolgt sowohl auf Gesamtunternehmensebene als auch im Vergleich nach Branchen, Ländern und Indizes. Die Ergebnisse zeichnen ein heterogenes Bild des Umsetzungsstandes. Der Umfang der Berichterstattung zu sozialen Belangen variiert erheblich. Während einige Unternehmen bis zu 120 Seiten diesem Themenfeld widmen, berichten andere Unternehmen soziale Belange in fünf Seiten. Hinsichtlich der abgedeckten Sozialstandards zeigt sich, dass zwar alle 60 untersuchten Unternehmen nach ESRS S1 „Eigene Belegschaft“ berichten, jedoch nur 31 Unternehmen Angaben zu ESRS S3 „Betroffene Gemeinschaften“ machen. Teilweise beschränken sich Unternehmen ausschließlich auf ESRS S1 und deklarieren die übrigen Sozialstandards als nicht wesentlich. Auch die Qualitätsauswertung zeigt große Unterschiede. Während die Allianz SE mit 96,13 % den höchsten Wert in der Gesamtgewichtung erreicht, bildet die Deutsche Börse AG mit 21,94 % das Schlusslicht. Eine weitere Erkenntnis ist zudem, dass Unternehmen aus Österreich, Deutschland und den Niederlanden insgesamt führend in der sozialen Nachhaltigkeitsberichterstattung sind. Zusammenfassend verdeutlichen die Ergebnisse, dass die ganzheitliche Implementierung der ESRS für Unternehmen nach wie vor eine Herausforderung darstellt. Gleichwohl bieten die Standards die Möglichkeit, soziale Verantwortung systematisch zu verankern und transparent zu kommunizieren. Ob jedoch die geplanten regulatorischen Maßnahmen wie die Omnibus-Initiative oder die „Stop-the-Clock“-Richtlinie eine vollständige Umsetzung begünstigen werden, bleibt abzuwarten.
- Controlling, Rechnungswesen und Finanzmanagement
Erste Befunde zur Qualität der Sozialberichterstattung nach CSRD im Lagebericht von börsennotierten Unternehmen im deutschsprachigen Raum: Eine Bewertung anhand eines Scoring-Modells
Hochreiter, J. (Autor). 2025
Studienabschlussarbeit: Masterarbeit