Einsatz von Kennzahlensystemen zur Leistungssteuerung in industriellen Kunststoffrecyclingunternehmen

  • Jakob Bilgram

    Studienabschlussarbeit: Masterarbeit

    Abstract

    Die zunehmende Relevanz der Kreislaufwirtschaft und die verschärften regulatorischen Anforderungen stellen mechanische Kunststoffrecyclingunternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Trotz ihrer Schlüsselrolle bei der Reduktion von Umweltbelastungen fehlt es der Branche bislang an standardisierten Instrumenten zur Steuerung von Effizienz, Qualität und Nachhaltigkeit. Heterogene Inputströme, Qualitätsverluste beim Recycling und hohe Prozesskosten erschweren eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig verlangen EU-Initiativen wie der Green Deal und die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) nach überprüfbaren Leistungsindikatoren. Vor diesem Hintergrund untersucht die Arbeit die Frage, wie ein mehrdimensionales Kennzahlensystem gestaltet werden kann, das mechanische Kunststoffrecyclingunternehmen bei der strategischen und operativen Steuerung unterstützt und gleichzeitig ökonomische, ökologische und technologische Dimensionen integriert. Der inhaltliche Aufbau der Arbeit folgt einer klaren Dreiteilung. Im Theorieteil (Kapitel 2–3) werden die Spezifika von Kunststoffrecyclingunternehmen, die Herausforderungen entlang der Prozesskette Sortieren–Waschen–Extrusion sowie bestehende Kennzahlensysteme aufgearbeitet. Dabei wird gezeigt, dass klassische Systeme wie das ROI-Schema oder die Balanced Scorecard zwar wertvolle Ansätze liefern, aber ohne Erweiterung branchenspezifische Anforderungen nur unzureichend abbilden. Der empirische Teil (Kapitel 4–5) stützt sich auf neun KI-simulierte Experteninterviews, die mittels strukturierender Inhaltsanalyse in der Software MAXQDA ausgewertet wurden. Die Auswahl der Personas deckte unterschiedliche Funktionsbereiche ab, sodass ein breites Spektrum an Perspektiven auf Ziele, Key Performance Indicators KPIs und Steuerungspraktiken einfloss. Die Auswertung erfolgte deduktiv-induktiv anhand eines Codesystems, das sowohl theoretisch abgeleitete Kategorien als auch neue, aus den Interviews gewonnene Subkategorien umfasst. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Branche ein Kennzahlensystem benötigt, das Prozessstabilität, Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeitswirkung gleichermaßen adressiert. Besonders häufig genannt wurden dabei die Ausbeute (Yield), die Gesamtanlageneffektivität (OEE), der Product Carbon Footprint (PCF), die Rezyklatquote sowie klassische Finanzkennzahlen wie die EBITDA-Marge. Daneben betonten die Befragten den hohen Stellenwert praxisnaher KPIs wie Entsorgungskosten, Erlöse aus Nebenprodukten oder spezifischer Energie- und Wasserverbrauch. Als entscheidendes Learning wurde hervorgehoben, dass Kennzahlen nur dann Wirkung entfalten, wenn sie mit konkreten Handlungslogiken im Alltag der Mitarbeitenden verknüpft werden. Auf dieser Grundlage wurde ein erweitertes Balanced-Scorecard-System entwickelt, das um die Perspektiven Nachhaltigkeit sowie Stoffströme & Recycling ergänzt ist. Pro Perspektive wurden die wichtigsten Kennzahlen definiert und mit Formeln, Einheiten und empirischen Begründungen unterlegt. Das resultierende System schafft die notwendige Transparenz, um Ressourceneffizienz zu steigern, Rezyklatqualität zu sichern und Prozesskosten nachhaltig zu steuern – und trägt zugleich den Anforderungen der Kreislaufwirtschaft und der Nachhaltigkeitsberichterstattung Rechnung.
    Datum der Bewilligung2025
    OriginalspracheDeutsch (Österreich)
    Betreuer/-inHerbert Jodlbauer (Betreuer*in)

    Studiengang

    • Operations Management

    Zitieren

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