Das österreichische Pensionssystem im europäischen Kontext: Analyse von Vorbildern und Potenzialen kapitalmarktorientierter Reformansätze

  • Lisa Praschl

    Studienabschlussarbeit: Masterarbeit

    Abstract

    Das österreichische Pensionssystem steht auf einem umlagefinanzierten Modell, das bislang eine stabile Grundlage für die Altersvorsorge darstellte. Diese Stabilität gerät jedoch zunehmend durch den demografischen Wandel, strukturelle Schwächen und eine mangelnde Diversifikation unter Druck. Während andere europäische Länder hybride Systeme aus staatlichen Grundpensionen und kapitalgedeckten Elementen etabliert haben, stützt sich Österreich stark auf die erste Säule, deren Leistungsanteil rund 90 % beträgt. Der Rückgang des Erwerbstätigen-Pensionist:innen-Verhältnisses, die steigende Lebenserwartung sowie hohe Zuschüsse aus dem Bundesbudget gefährden die langfristige Finanzierbarkeit. Kapitalmarktorientierte Modelle könnten zur Entlastung beitragen, stoßen in Österreich jedoch auf geringe Akzeptanz, was sowohl auf eine verbreitete Skepsis gegenüber Kapitalmärkten als auch auf ein oftmals unzureichendes Maß an Finanzbildung zurückzuführen ist. Ziel der Arbeit ist es, Potenziale kapitalgedeckter Modelle zu analysieren und Erfolgsfaktoren aus europäischen Best-Practice-Beispielen zu identifizieren, die auf den österreichischen Kontext übertragbar sind. Im Zentrum steht damit die Frage, wie kapitalgedeckte Elemente zur langfristigen Stabilisierung des österreichischen Pensionssystems beitragen können. Zur Beantwortung dieser Fragestellung wurde zunächst eine umfassende Literaturrecherche durchgeführt, in der die Struktur, historische Entwicklung und rechtlichen Grundlagen des österreichischen Pensionssystems aufgearbeitet und mit internationalen Modellen verglichen wurden. Dabei wurden aktuelle Studien wie der Allianz Global Pension Report 2025 und der Mercer CFA Global Pension Index 2024 berücksichtigt. Als Best-Practice-Beispiel wurde das dänische Pensionssystem ausgewählt, das durch ein stark diversifiziertes DreiSäulen-Modell und eine enge Verzahnung von Kapitaldeckung und Umlageverfahren überzeugt. Ergänzend wurden qualitative Expert:inneninterviews mit Fachpersonen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft in Österreich geführt, um die praktische Übertragbarkeit und Akzeptanz kapitalgedeckter Vorsorgeansätze zu prüfen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass ein effizienter Kapitalmarkt einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung des Pensionssystems leisten kann, indem er demografische Risiken abfedert und langfristige Renditen generiert. Das dänische Modell illustriert, wie durch verpflichtende Beiträge, breite Diversifikation, institutionelle Unabhängigkeit und dynamische Anpassung des Pensionsantrittsalters an die Lebenserwartung nachhaltige Sicherung erreicht werden kann. Für Österreich empfehlen sich insbesondere steuerliche Anreize, ein struktureller Ausbau der zweiten Säule und eine gezielte Finanzbildung zur Erhöhung der Kapitalmarktkompetenz. Politische Umsetzbarkeit bleibt jedoch eine zentrale Hürde, da unpopuläre, wenn auch notwendige Reformen politisch häufig vermieden werden. Insgesamt zeigt die Arbeit, dass eine schrittweise Einführung kapitalgedeckter Elemente, kombiniert mit gesellschaftlicher Aufklärung und rechtlicher Anpassung, essenziell ist, um die langfristige Stabilität und Nachhaltigkeit des österreichischen Pensionssystems zu gewährleisten.
    Datum der Bewilligung2025
    OriginalspracheDeutsch (Österreich)
    Betreuer/-inTamara Albrecht (Betreuer*in)

    Studiengang

    • Controlling, Rechnungswesen und Finanzmanagement

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