Auswirkungen der EZB-Zinspolitik auf das Venture-Capital-Finanzierungsvolumen in Österreich

  • Sophie Schnetzinger

    Studienabschlussarbeit: Masterarbeit

    Abstract

    Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Auswirkungen der Leitzinspolitik der Europäischen Zentralbank auf den Venture-Capital-Markt in Österreich. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass das makroökonomische Umfeld seit der Zinswende im Jahr 2022 einen fundamentalen Wandel erfahren hat: Steigende Zinsen verändern Finanzierungsbedingungen, Kapitalallokationen und Bewertungsmaßstäbe – mit potenziell weitreichenden Konsequenzen für die Risikoklasse Venture Capital. Vor diesem Hintergrund ergibt sich die zentrale Problemstellung: Wie reagieren VentureCapital-Investor:innen auf steigende Refinanzierungskosten und sinkende Unternehmensbewertungen, und welche Anpassungen zeigen sich in der Investitionspraxis gegenüber Start-ups? Die Relevanz des Themas liegt sowohl in der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung von Venture Capital für Innovation und Wachstum als auch in der bislang unzureichenden wissenschaftlichen Analyse dieser Wechselwirkungen im österreichischen Kontext. Der inhaltliche Aufbau der Arbeit gliedert sich in drei zentrale Blöcke: Zunächst werden die theoretischen Grundlagen zu Geldpolitik, Funktionsweise und Mandat der EZB sowie zur Struktur des europäischen und österreichischen Venture-Capital-Marktes dargestellt. Darauf folgt eine vertiefte Analyse der Zusammenhänge zwischen Zinsentwicklung und den spezifischen Mechanismen des Venture-Capital-Marktes. Im empirischen Teil werden qualitative Experteninterviews mit führenden Akteur:innen der österreichischen Venture-Capital-Landschaft durchgeführt. Die Methodik folgt einem leitfadengestützten Ansatz, der die Perspektiven von General Partnern systematisch erfasst und inhaltlich mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet wird. Die Kombination aus Literaturarbeit und Expert:inneneinschätzungen ermöglicht sowohl eine fundierte theoretische Einbettung als auch praxisnahe Erkenntnisse. Die Ergebnisse zeigen, dass steigende EZB-Leitzinsen die Investitionspraxis von Venture-CapitalGeber:innen maßgeblich beeinflussen. Zentrale Rolle spielt hierbei die eingeschränkte Liquidität: Sowohl Limited Partner als auch General Partner agieren zurückhaltender, da verfügbare Mittel für risikoreiche Anlagen knapper werden. Unternehmensbewertungen sind seit der Zinswende spürbar gesunken, was Investor:innen zwar mehr Verhandlungsmacht verschafft, zugleich aber Exits erschwert. Zudem haben sich die Anforderungen an Start-ups verschärft: Gefordert werden belastbare Geschäftsmodelle, ein klarer Pfad zur Profitabilität und eine stärkere Fokussierung auf messbare Kennzahlen. Für den österreichischen Markt bestätigt die Analyse, dass die Abhängigkeit von ausländischen Investor:innen bei großvolumigen Finanzierungsrunden hoch bleibt und die strukturelle Kapitalbasis weiterhin unzureichend entwickelt ist. Insgesamt verdeutlicht die Arbeit, dass die geldpolitische Straffung seit 2022 nicht nur kurzfristige Marktvolumina beeinflusst, sondern langfristige Implikationen für die Entwicklung des österreichischen Venture-Capital-Ökosystems mit sich bringt.
    Datum der Bewilligung2025
    OriginalspracheDeutsch (Österreich)
    Betreuer/-inTamara Albrecht (Betreuer*in)

    Studiengang

    • Controlling, Rechnungswesen und Finanzmanagement

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