Ein alter Hut neu betrachtet? Systemische Quantensprünge in der Digitalisierung

Publikation: Beitrag in FachzeitschriftArtikel

Abstract

Die Digitalisierung als „neues“ Phänomen scheint einiges an Altem zu beinhalten. Obwohl digitale Technologien systemisch aufgebaut sind, bergen sie in ihrem binären Grundcode eine begrenzende Struktur. Somit prozessieren sie eher systematisch als systemisch, womit sie einer starken Tendenz der post-postmodernen Gesellschaft entsprechen. So ist die Digitalisierung eine Herausforderung, die der Gesellschaft durch ihre Begrenzungen Innovationen abverlangt, die die Frage nach dem Sinn des Lebens erneut stellt und die Frage danach, wer letztendlich die Verantwortung für Entscheidungsprozesse im größeren Kontextunserer Verwaltungssysteme tragen soll. Für die Soziale Arbeit stellt sich insbesondere die Frage nach dem Vertrauen oder Misstrauen, das Menschen sich entgegenbringen. Jeder digitale Verwaltungsmechanismus beinhaltet diese ideologische Dichotomie. Die Frage danach, ob Klient*innenselbstverantwortlich in die Krise geschlittert sind oder ob die Systematik der Systeme diese Krise provoziert hat, stellt sich von jeher in der Sozialen Arbeit. Die Digitalisierung rückt diese Frage erneut in den Vordergrund, da die Basisannahmen unserer Regulative im Zuge einer zunehmenden Umstellung auf digitale Systeme neu zu verhandeln sind. Doppelte Kontingenz, d.h. in diesem Zusammen-hang gegenseitige Abhängigkeit, kann hierbei berücksichtigt werden oder nicht. Eine tatsächlich systemische Aushandlung von Bedürfnissen würde es ermöglichen, einander gleichberechtigter und vertrauensvoller zu begegnen, sowie digitale Technologien in diesem Sinne zu nützen.
OriginalspracheDeutsch (Österreich)
Seiten (von - bis)84 - 98
Fachzeitschriftsoziales_kapital
Jahrgang2020
Ausgabenummer24
PublikationsstatusVeröffentlicht - 31 Okt 2020

Schlagwörter

  • Digitalisierung, Systemtheorie,Systematik/Systemik, Post-Postmoderne,Ver-antwortung, Vertrauen, doppelte Kontingenz

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