Berichterstattung zum Bitcoin in deutschsprachigen Tageszeitungen: Ergebnisse einer empirischen Studie.

René Riedl, Max Neuhofer, Bernhard Stockinger, Florian Grillenberger, Josef Hörersdorfer, Christian Öttl, Adis Sahman

Publikation: Beitrag in FachzeitschriftArtikel

Abstract

Die Themen Kryptowährungen und Bitcoin gewinnen in Praxis und Wissenschaft vermehrt an Bedeutung. Da die Berichterstattung in Tageszeitungen zu einem Thema einen signifikanten Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung hat, haben wir alle Artikel zum Bitcoin, der weltweit bekanntesten Kryptowährung, aus sechs Tageszeitungen im deutschsprachigen Raum (D-A-CH) analysiert. Ziel dieser Analyse war es herauszufinden, mit welcher Tendenz (negativ, neutral, positiv) über den Bitcoin berichtet wird. Folgende Zeitungen wurden analysiert: Handelsblatt und Süddeutsche Zeitung (D), Die Presse und Der Standard (A) sowie Neue Zürcher Zeitung und St. Galler Tagblatt (CH). Insgesamt wurden 1498 Artikel analysiert, die im Zeitraum 4. Quartal 2011 (erstmaliges Erscheinen eines Beitrags) bis einschließlich 1. Quartal 2018 (Ende des Analysezeitraums) veröffentlicht wurden. Die Studienergebnisse zeigen, dass mehrheitlich negativ über den Bitcoin berichtet wird (798 Artikel, 53 %); 357 Artikel (24 %) sind neutral und 343 Artikel (23 %) sind positiv. Weiter zeigen die Ergebnisse, dass zwischen den sechs untersuchten Tageszeitungen in der Tendenz der Berichterstattung keine signifikanten Unterschiede bestehen. Zudem haben wir untersucht, wie die Berichterstattung mit dem Kursverlauf des Bitcoins zusammenhängt. Wesentliche Befunde sind, dass mit zunehmendem Kurs die Artikelanzahl ansteigt und der relative Anteil neutraler sowie positiver Artikel zunimmt; es gab jedoch keinen einzigen Zeitraum (bei 26 untersuchten Quartalen), in dem die negativen Artikel nicht überwogen haben.

Kryptowährungen sind digitale Zahlungsmittel; sie können für Transaktionen im Internet verwendet werden, sofern der Verkäufer die Währung akzeptiert. Kryptographisch abgesicherte Protokolle sowie eine dezentrale Datenhaltung sind die wesentlichen Grundlagen von Kryptowährungen, die einen digitalen Zahlungsverkehr ohne zentrale Instanzen wie Banken ermöglichen. Die Blockchain stellt vielfach die Basistechnologie dar (eine einfache Beschreibung der Funktionsweise der Blockchain findet sich beispielsweise bei [1]). Die weltweit bekannteste Kryptowährung ist der seit 2009 existierende Bitcoin [2]. Laut dem Schweizer Portal cryptocoincharts.info gab es Anfang November 2018 weltweit 4670 Kryptowährungen mit einer Marktkapitalisierung von rund 206 Mrd. US Dollar, wobei Bitcoin mit einer Kapitalisierung von rund 111 Mrd. US Dollar einen Marktanteil von 54 % hat.

Ein bedeutsamer Unterschied vieler Kryptowährungen – und insbesondere auch des Bitcoins – zu Standardwährungen wie dem Euro oder US-Dollar besteht darin, dass eine zentrale Instanz (wie eine Notenbank) nicht im Alleingang die Produktion von Währungseinheiten und somit den Wert einer Währung beeinflussen kann. Eine Gemeinsamkeit von Kryptowährungen und Standardwährungen ist jedoch, dass es sich um Fiatgeld handelt, also um Objekte ohne inneren Wert, die als Tauschmittel genutzt werden. Die Nutzung des Zahlungsmittels basiert dabei auf Akzeptanz und Vereinbarung zwischen Handelspartnern, die Vorteile in der Nutzung sehen. Der Bitcoin wird von diversen Unternehmen als Zahlungsmittel akzeptiert. Beispielsweise kann man auf coinmap.org sowie www.btc-echo.de Bitcoin-Akzeptanzstellen anzeigen lassen. Eine wesentliche Kritik am Bitcoin (sowie an Kryptowährungen im Allgemeinen) ist, dass aufgrund der Kursvolatilität keine ausreichende Wertstabilität gegeben ist (jedenfalls im Vergleich zu westlichen Währungen wie dem Euro oder US-Dollar), sodass der Bitcoin bislang eher zu Spekulationszwecken verwendet wurde und weniger als Zahlungsmittel. Kristoufek [3, S. 5] hat die Beziehung zwischen dem Bitcoin-Kurs und dem Interesse am Bitcoin untersucht (operationalisiert über Google-Suchanfragen und Besucherzahlen des Wikipedia-Eintrags); im Fazit schreibt er: „[S]trong causal relationships between the prices and searched terms. Importantly, we find that this relationship is bidirectional, i. e. not only do the search queries influence the prices but also the prices influence the search queries. This is well in hand with the expectations about a financial asset with no underlying fundamentals. Speculation and trend chasing evidently dominate the Bitcoin price dynamics.“

Kryptowährungen im Allgemeinen und Bitcoin im Speziellen sind in der jüngeren Vergangenheit auch im deutschsprachigen Raum zunehmend in die öffentliche Wahrnehmung gerückt. Neben der Berichterstattung im Internet auf diversen Plattformen (wie etwa auf bitcoin.de) hat vor allem die Berichterstattung in Tageszeitungen zugenommen, sodass sich nicht mehr nur „Kryptowährungsspezialisten“ mit dem Thema befassen, sondern zunehmend auch „Normalbürger“ das Thema wahrnehmen. Diese Wahrnehmung ist Voraussetzung dafür, eventuell auch Bitcoin-Nutzer zu werden.

Die Meinungen über den Bitcoin gehen weit auseinander. Einige sind von der Idee einer dezentralen Währung überzeugt oder sehen im Bitcoin gar die digitale Weltwährung der Zukunft [2]. Andere sehen im Bitcoin kaum Vorteile, manche sogar gravierende Gefahren und bedeutsame Akteure am Finanzmarkt warnen vielfach explizit vor dem Erwerb und Handel mit Bitcoins (beispielsweise mehrere Gouverneure von Notenbanken von EU-Staaten). Weiter geben manche Ökonomen an, dass der Wert des Bitcoins null ist („we find empirical evidence that the fundamental price of Bitcoin is zero“ [4, S. 32]). Doch wie steht es tatsächlich um das Image des Bitcoins? Dieser Frage gehen wir im vorliegenden Beitrag nach.
Titel in ÜbersetzungReporting on Bitcoin in german newspapers: results of an empirical study.
OriginalspracheDeutsch
Seiten (von - bis)106-115
Seitenumfang10
FachzeitschriftWirtschaftsinformatik & Management
Jahrgang11
Ausgabenummer2
DOIs
PublikationsstatusVeröffentlicht - Nov. 2019

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